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Hydraulikverschraubungen: das Praxishandbuch

Hydraulikverschraubungen verbinden Rohre, Schläuche und Komponenten dicht und wieder lösbar, und genau an ihnen entscheidet sich, ob eine Anlage hält oder tropft. Wer die richtige Verschraubung auswählt, sauber montiert und im Schadensfall richtig liest, spart Stillstand, Nacharbeit und Fehlkäufe. Der Weg dorthin führt über fünf Stationen: die Bauart nach ISO 8434, Gewinde und Dichtsitz, die Baureihe nach DIN 2353, die umdrehungsgesteuerte Montage des Schneidrings und die Trennung von Drehmoment und Umdrehung beim Anziehen. Jede übersprungene Station meldet sich später an der Maschine zurück, meist als Leckstelle.

Aktualisiert 7. Juli 2026PTS Technik-Redaktion16 Min. Lesezeit
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Die Bauarten im Überblick

In der Hydraulik dominieren vier lösbare Rohrverbindungen, und alle vier sind in der Normenfamilie DIN EN ISO 8434 zusammengefasst: der 24-Grad-Schneidring (Teil 1, zugleich die ältere DIN 2353), der 37-Grad-Bördel oder JIC (Teil 2), die O-Ring-Stirnflächendichtung ORFS (Teil 3) und die 60-Grad-Konusverbindung (Teil 6). Jede löst dieselbe Aufgabe, ein Rohr dicht und wieder lösbar anzuschließen, aber jede geht dabei einen anderen Weg.

Der Schneidring gräbt sich beim Anziehen der Überwurfmutter in das ungeformte Rohr und dichtet metallisch an einem 24-Grad-Innenkonus; das Rohr wird nur abgelängt und entgratet, nicht umgeformt. Beim Anziehen erzeugt die Schneidkante zugleich einen Feder-Effekt, der Druckstöße und Biegewechsel abfängt. Der 37-Grad-Bördel formt das Rohrende selbst zu einem Kegel, der metallisch am Fitting anliegt, und braucht dafür ein Bördelgerät. ORFS dichtet nicht im Gewinde, sondern über einen Elastomer-O-Ring in einer planen Stirnfläche, was die Verbindung besonders vibrationsfest und für Drücke bis etwa 420 bar geeignet macht. Die 60-Grad-Konusverbindung dichtet über einen Kegelsitz und begegnet Ihnen vor allem an BSP-Anschlüssen.

Entscheidend ist am Ende das Dichtprinzip, nicht das Gewinde allein: Dasselbe Gewinde kann über einen Kegel, eine plane Stirnfläche oder einen Dichtring abdichten, und wer nur den Gewindedurchmesser vergleicht, greift schnell daneben. Ausführlich behandeln die O-Ring-Stirnflächendichtung der Beitrag ORFS-Verschraubungen und die Grundsatzwahl zwischen umgeformtem und ungeformtem Rohr der Beitrag Bördel oder Schneidring. Wichtig für die Praxis: Die vier Systeme sind untereinander nicht mischbar. Ein 24-Grad-Schneidringkörper nimmt kein 37-Grad-Bördelrohr auf; wer umsteigt, tauscht die Verbindung komplett, nicht nur ein Bauteil.

Zwei Varianten teilen sich den 24-Grad-Konus. Die reine Schneidring-Version dichtet metallisch zwischen Ring, Kegel und Rohr; die DKO-Version legt zusätzlich einen O-Ring in den Dichtkegel und dichtet damit elastomer und metallisch zugleich, was sie unempfindlicher gegen Setzverhalten und Losdrehen macht. Beide teilen Baureihe, Gewinde und Nenndruck, sodass Sie innerhalb einer Reihe zwischen ihnen wählen, ohne die Auslegung zu ändern. Alle vier Bauarten gibt es auch in Edelstahl und für aggressive Medien; die Werkstoffwahl folgt dem Medium und der Umgebung, nicht dem Dichtprinzip. Beim ORFS-O-Ring heißt das: NBR für Mineralöl und die gängigen Hydraulikflüssigkeiten, FKM für höhere Temperaturen und aggressive Medien.

In der Praxis entscheiden meist zwei Fragen. Steht kein Bördelgerät bereit oder wechseln die Rohrgrößen häufig, spricht das für den Schneidring, weil er ohne Umformung auskommt und das Rohr nur abgelängt und vormontiert wird. Ist die Anlage bereits auf JIC ausgelegt oder schwingt die Leitung stark, spricht das für den Bördel; wo maximale Vibrations- und Dauerfestigkeit ohne metallische Dichtstelle zählt, ist ORFS die dritte Option. Und wo eine Anlage mehrere Systeme nebeneinander fährt, standardisieren Sie pro Leitung oder Baugruppe, nicht pro Werk: Eine Leitung durchgängig auf eine Bauart auszulegen vermeidet Adapter, Fehlpaarungen und zusätzliche Leckstellen. Auch die Wandstärke des Rohres spielt hinein: Der Schneidring braucht eine Mindestwandstärke, damit die Schneidkante hält und das Rohr nicht eingedrückt wird, während sich ein Rohrende nur bördeln lässt, wenn es weder zu dünnwandig noch zu hart ist.

Die vier Bauarten der Rohrverschraubung nach ISO 8434 im Vergleich
BauartNorm (ISO 8434)DichtprinzipTypischer Einsatz
Schneidring 24°Teil 1 (DIN 2353)metallisch am 24°-Innenkonus, der Ring schneidet ins ungeformte Rohrstationäre Industriehydraulik, kein Umformwerkzeug
Bördel 37° (JIC)Teil 2 (SAE J514)metallisch am selbst geformten 37°-BördelkegelMobilhydraulik, Bördelgerät im Haus
ORFSTeil 3 (SAE J1453)Elastomer-O-Ring in der planen Stirnflächestarke Vibration, Drücke bis etwa 420 bar
60°-KonusTeil 6metallisch am 60°-KegelsitzBSP-Zapfen, Adapter und Übergänge
Alle vier gehören zur Normenfamilie DIN EN ISO 8434; am 24-Grad-Konus ergänzt die DKO-Variante einen O-Ring (DIN 3865). Die Systeme sind untereinander nicht mischbar. Quelle: DIN EN ISO 8434-1 bis -6, SAE J514 und SAE J1453. Stand 2026-07.
24°37°60°KonusBördelKonusO-Ring

Gewinde und Dichtsitz erkennen

Bevor Sie eine Verschraubung auswählen oder ersetzen, müssen Sie das vorhandene Gewinde und den Dichtsitz sicher kennen. Drei Messungen genügen für die Familie: der Außendurchmesser mit dem Messschieber, die Steigung mit der Steigungslehre und die Kegelform, indem Sie den Durchmesser am vordersten und am hintersten Gang vergleichen. Ein vierter Wert trennt die ähnlichen Familien endgültig, der Flankenwinkel: 55 Grad tragen die Whitworth-Rohrgewinde BSP (G und R), 60 Grad die metrischen sowie NPT und die zölligen UN-Gewinde von JIC und ORFS.

Eindeutig wird die Zuordnung erst im Quartett aus Durchmesser, Steigung, Kegelform und Flankenwinkel: Der Durchmesser grenzt ein, Steigung und Kegel trennen die ähnlichen Familien, der Flankenwinkel entscheidet zwischen Whitworth und den 60-Grad-Gewinden. Notieren Sie alle vier, bevor Sie eine Tabelle aufschlagen. Bei zölligen Verschraubungen bezeichnet die Dash-Nummer den Rohr-Außendurchmesser in Sechzehntel Zoll, wobei ORFS bei gleichem Gewinde eine Dash-Nummer niedriger liegt als JIC.

Fünf Gewindefamilien dominieren die Hydraulik: BSP mit der zylindrischen Ausführung G und der kegeligen R, das metrische ISO-Feingewinde, das amerikanische NPT, der JIC-37-Grad-Bördel und ORFS. Zylindrische Gewinde (G, M, JIC, ORFS) haben vorne und hinten denselben Durchmesser, kegelige (R, NPT) verjüngen sich zur Spitze mit einem Kegel 1:16. Aber auch hier gilt: Gleiches Gewinde heißt nicht kompatibel. JIC in der Größe -06 und ORFS in -04 tragen beide das Gewinde 9/16-18 UNF und lassen sich von Hand zusammenschrauben, dichten aber nie, weil der eine einen 37-Grad-Bördelkegel und der andere eine plane O-Ring-Fläche hat. Das vollständige Messprotokoll mit Maßtabellen für alle Familien und einem interaktiven Werkzeug führt der Beitrag Hydraulik-Gewinde bestimmen; die Familien mit Dichtprinzip, Norm und einer Umschlüsselung nach Dash-Größe stellt Gewindearten in der Hydraulik gegenüber.

Neben der Rohrseite hat jede Verschraubung eine Portseite, den Einschraubzapfen zum Block oder Ventil, und auch dessen Dichtsitz gehört in die Bestandsaufnahme. Die Anschlussformen sind in DIN 3852 geregelt: Form A mit eingelegtem Dichtring, Form B mit metallischer Dichtkante und Form E mit O-Ring am Zapfengrund. Das Gewinde ist bei allen dreien gleich, unterschieden werden sie am Dichtsitz. Diese Form bestimmt später sowohl das Anzugsmoment als auch die typische Leckursache, weshalb Sie sie gleich mit aufnehmen sollten.

Baureihen und Auslegung: DIN 2353

Die Schneidringverschraubung nach DIN 2353, international DIN EN ISO 8434-1, ist in drei Baureihen aufgeteilt, die sich in Wandstärke, Gewinde und Nenndruck unterscheiden: LL (sehr leicht), L (leicht) und S (schwer). Die Reihe folgt dem Druck, die Baugröße folgt dem Rohr-Außendurchmesser in Millimeter, nicht der Bohrung. Bei Parker heißen die drei Reihen EO Very Light, EO Light und EO Heavy.

Jede DIN-2353-Verschraubung trägt zwei verschiedene Gewinde: das rohrseitige Überwurfmutter-Gewinde am 24-Grad-Konus und das Einschraubzapfen-Gewinde zum Anschluss an Block oder Ventil. Diese beiden sind nicht gleich, ein 12-mm-Rohr der Reihe L trägt zum Beispiel die Überwurfmutter M18x1,5, aber den Zapfen M16x1,5. Am selben Konus kennt die Norm zudem zwei Dichtvarianten, den rein metallischen Schneidring und die DKO-Version mit zusätzlichem O-Ring, die Baureihe, Gewinde und Nenndruck teilen.

LL deckt kleine Steuer- und Messleitungen von 4 bis 12 mm mit durchgehend 100 bar ab. L ist der Standard im allgemeinen Maschinenbau, deckt mit 6 bis 42 mm die breiteste Baugröße ab und trägt in der DIN-Basis 160 bis 315 bar, in Premium-Stahl bis 500 bar. S ist die Hochdruckreihe von 6 bis 38 mm mit bis zu 630 bar in der DIN-Basis und bis 800 bar in Premium-Stahl; der Wert 630 bar für die kleinen Größen S 6 bis S 14 gilt allerdings nur mit kegeligem Gegengewinde, sonst sind es 400 bar.

Die drei Reihen sind untereinander nicht austauschbar. Schon bei gleichem Rohr-Außendurchmesser tragen sie verschiedene Gewinde: Ein 12-mm-Rohr hat in Reihe L die Überwurfmutter M18x1,5, in Reihe S dagegen M20x1,5. Überwurfmutter, Schneidring und Stutzen müssen deshalb immer aus derselben Reihe stammen. Den Alltag deckt meist die Reihe L ab; LL bleibt den kleinen Nebenleitungen bis 100 bar vorbehalten, und S übernimmt, sobald der Druck über die L-Grenze steigt oder Druckstöße ins Spiel kommen. Die vollständigen Gewinde- und Druckstufentabellen je Größe führt der Beitrag DIN 2353: Baureihen LL, L und S.

DIN-2353-Baureihen LL, L und S im Überblick
BaureiheRohr-ADNenndruckTypischer Einsatz
LL (sehr leicht)4 bis 12 mm100 barkleine Steuer-, Mess- und Signalleitungen
L (leicht)6 bis 42 mm160 bis 315 bar (DIN-Basis), bis 500 bar (Premium-Stahl)Standard im Maschinenbau, mittlerer Druck
S (schwer)6 bis 38 mmbis 630 bar (DIN-Basis), bis 800 bar (Premium-Stahl)Hochdruckhydraulik, Druckstöße, dickwandige Rohre
Übersicht je Reihe. Für S 6 bis S 14 gelten 630 bar nur mit kegeligem Gegengewinde, sonst 400 bar; die vollständigen Gewinde- und Druckstufentabellen je Größe stehen im Baureihen-Beitrag. Quelle: DIN EN ISO 8434-1; Herstellerdaten Parker, VOSS Fluid. Stand 2026-07.
AufschiebenHandfestMontiert

Montage in Kürze

Der Schneidring dichtet nur, wenn er sauber ins Rohr schneidet, und das gelingt über die richtige Zahl an Umdrehungen, nicht über Gefühl. DIN 2353 verlangt eine zweistufige, umdrehungsgesteuerte Montage nach DIN 3859: erst die Vormontage, in der der Ring einen sichtbaren Materialbund vor seiner Schneidkante aufwirft (den Bundaufwurf), dann die Fertigmontage im Verschraubungskörper. Voraussetzung ist ein rechtwinklig und gratfrei abgelängtes Rohr; ein schräger oder gratiger Schnitt verhindert den sauberen Bundaufwurf.

Aus dem handfesten Zustand dreht die Überwurfmutter in der Vormontage je nach Hersteller rund 1 1/4 bis 1 1/2 Umdrehungen weiter; in der Fertigmontage folgt nach dem deutlich spürbaren Kraftanstieg rund 1/4 Umdrehung bei Stahl und 1/2 bei Edelstahl, optimierte Verfahren nur noch 30 Grad. Kontrollkriterium ist der Bundaufwurf: Füllt der umlaufende Materialbund die Vorderseite der Schneide und lässt sich der Ring drehen, aber nicht mehr axial verschieben, sitzt die Vormontage richtig. Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung mit den Umdrehungszahlen je Hersteller und den häufigsten Montagefehlern steht unter Schneidringverschraubung montieren.

Vormontiert wird im gehärteten Vormontagestutzen oder direkt im Verschraubungskörper. Der gehärtete Stutzen schützt den wiederverwendbaren Körper und liefert einen reproduzierbaren Einschnitt; er wird nach rund 50 Vormontagen ersetzt. Für kleine Abmessungen und die Einzelmontage genügt oft die einstufige Direktmontage im Körper ohne getrennten Stutzen; bei Serienmontage, großen Baugrößen und Edelstahl bleibt die Vormontage im gehärteten Stutzen die sichere Wahl.

Die meisten undichten Schneidringverschraubungen gehen auf einen Montagefehler zurück, nicht auf ein defektes Bauteil. Typisch sind ein schräg oder gratig abgelängtes Rohr, ein nicht bis zum Anschlag eingeschobenes Rohr, zu wenige Umdrehungen mit ignoriertem Kraftanstieg oder eine überdrehte Mutter, die den Ring quetscht und das Rohr einschnürt. Fast jeder dieser Fehler ist mit sauberer Vormontage und der Sichtkontrolle des Bundaufwurfs vermeidbar.

  1. Rohr rechtwinklig und gratfrei ablängen, innen und außen entgraten.
  2. Gewinde, Ring und Rohr leicht ölen, den Ring lagerichtig aufschieben (Schneidkante zum Rohrende).
  3. Vormontieren: die Mutter aus handfest rund 1 1/4 bis 1 1/2 Umdrehungen weiterdrehen, bis der Bundaufwurf steht.
  4. Fertigmontieren: nach dem spürbaren Kraftanstieg rund 1/4 Umdrehung bei Stahl, 1/2 bei Edelstahl nachziehen.
  5. Bundaufwurf sichtprüfen, bevor die Leitung unter Druck geht.

Anzugsmomente: Drehmoment oder Umdrehung

Beim Anziehen einer DIN-2353-Verschraubung müssen Sie zwei Kraftstellen und zwei Verfahren sauber trennen. Der Einschraubzapfen, also das Portgewinde zum Block oder Ventil, wird drehmomentgesteuert mit dem Drehmomentschlüssel angezogen; dafür gibt es geprüfte Nm-Tabellen je Baureihe, Gewinde und Dichtform. Die rohrseitige Überwurfmutter mit dem Schneidring wird dagegen nicht nach Drehmoment, sondern umdrehungsgesteuert montiert. Ein Drehmomentschlüssel ersetzt die Umdrehungsmontage am Ring nicht; er gehört an den Zapfen.

Warum kursieren dann so viele, scheinbar widersprüchliche Anzugsmoment-Tabellen? Weil DIN 2353 nur die Geometrie normt, nicht das Moment. Die Werte hängen von Schmierung, Beschichtung (gleitbeschichtete Muttern rund 30 Prozent niedriger), Werkstoff (Aluminium-Körper mindestens 30 Prozent niedriger), Dichtform und Verbindungstyp ab, und zwei weitere Systeme am selben 24-Grad-Konus, der metallische Profilring und die DKO-Weichdichtung, veröffentlichen eigene Werte. Mitteln Sie nie zwei Tabellen, sondern nehmen Sie den Wert, der zum verbauten Fabrikat passt. Die geprüften Nm-Tabellen für die L- und die S-Reihe je Dichtform stehen unter Anzugsmomente für Schneidringverschraubungen; die Baureihen selbst erklärt der Beitrag zur DIN 2353.

Praktisch heißt das: Klären Sie zuerst den Verbindungstyp und die Dichtform des Zapfens (Form A, B oder E), danach richtet sich das Verfahren. Den Einschraubzapfen ziehen Sie drehmomentgesteuert nach Reihe, Gewinde und Dichtform an und halten das Gewinde sauber und leicht geölt, denn die Tabellenwerte gelten für phosphatiert und geölt. Die rohrseitige Überwurfmutter montieren Sie umdrehungsgesteuert, getrennt in Vor- und Fertigmontage. Nach dem ersten Druckzyklus kontrollieren Sie den Sitz und setzen bei Bedarf bis zum erneuten Kraftanstieg nach.

Fehlersuche bei Leckage

Leckt eine Verschraubung, machen Sie die Anlage zuerst drucklos, bevor der Schlüssel angesetzt wird: Pumpe aus, Systemdruck auf null, gegen Wiedereinschalten sichern und auch Druckspeicher und stehende Ölsäulen entlasten. Eine Leitung unter Druck nachzuziehen kann die Dichtstelle endgültig zerstören und einen feinen Ölstrahl freisetzen, der die Haut durchschlägt.

Nachziehen hilft nur, solange die Verschraubung noch nicht fest ist. Sitzt die Überwurfmutter bereits fest und leckt trotzdem, ist die Dichtstelle beschädigt, und weiteres Anziehen presst den Schneidring tiefer, quetscht den O-Ring oder reißt den Bördelkegel. Bestimmen Sie deshalb zuerst das Dichtprinzip und lesen Sie das Leckbild danach: Ein undichter Schneidring ohne Bundaufwurf will kontrolliert nachmontiert, ein gealterter O-Ring will getauscht, ein Winkelkonflikt aus R und NPT will durch die richtige Norm ersetzt werden. Die Ursachentabelle je Dichtform und die Diagnose in fünf Schritten führt der Beitrag Hydraulikverschraubung undicht; hilft die Zuordnung nicht auf Anhieb, bestimmen Sie Gewinde und Dichtsitz sauber am Bauteil.

Hinter den meisten Fällen stecken zwei Ursachen: falsches Anziehen und ein beschädigtes Dichtelement. Zu locker sitzende Verschraubungen dichten nie richtig ab, zu fest angezogene zerstören Ring, Bördel oder O-Ring. Wer die Ursache an der Dichtform sucht statt am reinen Anziehen, tauscht gezielt, statt wiederholt nachzuziehen. Die Diagnose folgt in fünf Schritten:

  1. Anlage drucklos machen und gegen Wiedereinschalten sichern; die Leckstelle reinigen, denn Öl wandert und die sichtbare Spur ist selten die Quelle.
  2. Austrittsstelle genau lokalisieren: Kommt das Öl an der Überwurfmutter, am Einschraubzapfen zum Block oder direkt am Rohr?
  3. Dichtprinzip bestimmen: 24-Grad-Schneidring oder DKO, 37-Grad-Bördel, ORFS-Stirnfläche oder Einschraubzapfen mit Dichtring beziehungsweise O-Ring.
  4. Sitz und Zustand prüfen: Ist die Mutter noch lose? Ist beim Schneidring ein Bundaufwurf zu sehen? Sind O-Ring oder Dichtring vorhanden und unbeschädigt?
  5. Gezielt handeln: nicht fest, dann kontrolliert nachziehen; beschädigt, dann tauschen. Danach langsam wieder auf Druck bringen und die Stelle beobachten.

Als klare Tauschfälle, bei denen weiteres Nachziehen nicht mehr hilft, gelten:

  • Die Mutter ist bereits fest, und die Verschraubung leckt trotzdem: die Dichtstelle ist beschädigt.
  • O-Ring oder Dichtring ist sichtbar gequetscht, gerissen oder verhärtet.
  • Beim Schneidring fehlt der Bundaufwurf, oder das Rohr ist eingeschnürt oder axial verschoben.
  • Der 37-Grad-Bördelkegel ist gerissen, oval oder eingekerbt.
  • R und NPT wurden gepaart (55 Grad gegen 60 Grad): diese Verbindung wird durch Nachziehen nie dicht.
  • Das Rohr zeigt einen Riss oder Schwingungsbruch nahe der Verschraubung.

Die passende Verschraubung ab Lager

Schneidring-, Bördel- und ORFS-Verschraubungen sowie Adapter, Einschraubzapfen und Dichtungen führt PTS als Katalogprogramm, ab Lager und passend zu Rohr-Außendurchmesser, Baureihe und Anschlussgewinde, mit Preis und Verfügbarkeit ohne Login. Bei unklarer Paarung oder Leckstelle ordnet die PTS-Technik anhand von Foto und Maßen das richtige Bauteil zu, statt Sie raten zu lassen.

Preise und Bestände sehen Sie im Sortiment ohne Anmeldung.

Häufig gestellte Fragen

Welche Verschraubungsarten gibt es in der Hydraulik?

Vier lösbare Rohrverbindungen dominieren, alle in der Familie DIN EN ISO 8434: der 24-Grad-Schneidring (Teil 1, DIN 2353), der 37-Grad-Bördel oder JIC (Teil 2), die O-Ring-Stirnflächendichtung ORFS (Teil 3) und die 60-Grad-Konusverbindung (Teil 6). Dazu kommen die BSP-Einschraubzapfen. Entscheidend ist das Dichtprinzip, nicht das Gewinde allein.

Woran erkenne ich, welche Verschraubung ich habe?

Messen Sie Außendurchmesser, Steigung und Kegelform, dazu den Flankenwinkel von 55 oder 60 Grad. Das grenzt die Gewindefamilie ein. Den Bauart-Typ verrät der Dichtsitz: ein 24-Grad-Innenkonus beim Schneidring, ein 37-Grad-Bördelkegel beim JIC, eine plane Stirnfläche mit O-Ring bei ORFS. Gleiches Gewinde bedeutet nicht kompatibel.

Was ist der Unterschied zwischen der L- und der S-Reihe?

L ist die leichte Reihe für den mittleren Druckbereich, S die schwere Reihe für die Hochdruckhydraulik. Bei gleichem Rohr-Außendurchmesser hat S das größere Überwurfmuttergewinde, die dickere Wand und den höheren Nenndruck. Die beiden Reihen sind nicht austauschbar; Überwurfmutter, Ring und Stutzen müssen aus derselben Reihe stammen.

Wird eine Schneidringverschraubung nach Drehmoment angezogen?

Nur teilweise. Der Einschraubzapfen wird drehmomentgesteuert mit dem Drehmomentschlüssel angezogen, der Schneidring dagegen umdrehungsgesteuert nach DIN 3859. Für den Ring gibt es kein allgemeines Anzugsmoment; er wird aus dem handfesten Zustand um eine definierte Umdrehungszahl weitergedreht, bis er sauber ins Rohr geschnitten hat.

Was tue ich, wenn eine Hydraulikverschraubung undicht ist?

Zuerst die Anlage drucklos machen und gegen Wiedereinschalten sichern, niemals unter Druck nachziehen. Dann das Dichtprinzip bestimmen und das Leckbild lesen. Ist die Mutter noch nicht fest, kontrolliert nachziehen; sitzt sie bereits fest und leckt trotzdem, ist die Dichtstelle beschädigt und muss getauscht werden.

Kann ich verschiedene Verschraubungssysteme kombinieren?

Nein. Die vier ISO-8434-Bauarten sind untereinander nicht mischbar, und auch die Baureihen LL, L und S dürfen nicht gemischt werden. Beim Gewinde trennt zudem der Flankenwinkel: BSP hat 55 Grad, NPT 60 Grad. Arbeiten Sie bei unterschiedlichen Systemen mit einem passenden Adapter; zwei nicht zusammengehörige Gewinde werden auch mit Kraft nicht dicht.