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Bördel oder Schneidring: die richtige Rohrverschraubung wählen
Bördel oder Schneidring ist die Grundsatzentscheidung, sobald ein Rohr dicht an eine Hydraulikleitung soll. Beide sind lösbare, metallisch dichtende Rohrverschraubungen, aber sie kommen auf verschiedenen Wegen dorthin: Der Schneidring nach DIN 2353 gräbt sich in das ungeformte Rohr, der 37°-Bördel formt das Rohrende selbst zum Dichtkegel. Die Wahl fällt nicht am Preis eines einzelnen Fittings, sondern an zwei Fragen: Ist Bördeltechnik im Haus, und wie hoch sind Druck und Vibration in der Leitung.
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Wie beide dichten
Die Schneidringverschraubung dichtet an einem 24°-Innenkonus. Beim Anziehen der Überwurfmutter schiebt sich die harte Schneidkante des Rings über den Kegel und gräbt sich in den Rohr-Außendurchmesser. Vor der Schneide wirft sie einen sichtbaren Bund auf, der das Rohr axial festhält und, laut Parker, einen Feder-Effekt erzeugt, der Druckstöße und Biegewechsel abfängt. Gedichtet wird metallisch zwischen Ring, Kegel und Rohr, ganz ohne Rohrumformung: Das Rohr wird nur abgelängt und entgratet. Die Baureihen dieser Bauart erklärt der Beitrag zu den Baureihen der DIN 2353.
Die Bördelverschraubung dichtet an einem Kegel, den Sie zuvor selbst an das Rohrende formen. Ein Bördelgerät weitet das Rohrende auf 37° auf; dieser Bördeltrichter legt sich beim Anziehen metallisch an den 37°-Kegel des Fittings, die Überwurfmutter erzeugt nur die Klemmkraft. Der 37°-Bördel ist als JIC-Verschraubung nach SAE J514 beziehungsweise ISO 8434-2 genormt und dominiert in der Mobilhydraulik. Die Dichtstelle sitzt am umgeformten Rohr, nicht an einem separaten Ring.
Beide Bauarten gehören zur selben Normfamilie DIN EN ISO 8434: der Schneidring zu Teil 1, der 37°-Bördel zu Teil 2, die O-Ring-Stirnflächendichtung ORFS zu Teil 3 und die 60°-Konusverbindung zu Teil 6. Wichtig ist die praktische Folge: Die Systeme sind nicht mischbar. Ein 24°-Schneidringkörper nimmt kein 37°-Bördelrohr auf, und die Überwurfmuttern unterscheiden sich. Wer umsteigt, tauscht die Verbindung komplett, nicht nur ein Bauteil.
Entscheidungskriterien im Vergleich
Beide Systeme sind ausgereift und im Hochdruckbereich zu Hause. Die folgende Tabelle stellt die Kriterien gegenüber, die in der Praxis den Ausschlag geben. Wo die Datenlage belastbare Zahlen hergibt, stehen sie in der Zeile; sonst bleibt der Vergleich bewusst qualitativ.
| Kriterium | Schneidring (24°, DIN 2353) | Bördel (37°, JIC) |
|---|---|---|
| Vibration | Feder-Effekt der Schneidkante dämpft Druckstöße und Biegewechsel | metallischer Bördelkegel ohne Feder-Effekt; starke Vibration mit Rohrschellen abstützen |
| Wandstärke | breites Wandstärkenfenster je Baureihe; eine Mindestwandstärke ist nötig, damit die Schneidkante hält und das Rohr nicht eindrückt | Rohrende muss sich kalt bördeln lassen; sehr dünn- oder sehr dickwandige bzw. harte Rohre begrenzen das Bördeln |
| Montageaufwand | Vormontage nötig, umdrehungsgesteuert; für kleine Größen kein Umformwerkzeug | zusätzlicher Bördelvorgang je Rohrende mit Bördelgerät, danach nur Mutter anziehen |
| Wiederverwendbarkeit | Körper wiederverwendbar; der Ring bleibt auf dem Rohr, Wiederholmontage möglich | umgeformtes Rohrende bleibt erhalten und lässt sich mehrfach wieder anschließen |
| Systemdruck | hoch: bis 500 bar (Reihe L), bis 800 bar (Reihe S) | mittlerer bis hoher Druckbereich, je Baugröße und Norm |
| Verbreitung | europäischer Standard der stationären Industriehydraulik | verbreitet in Mobilhydraulik und international geprägten Anlagen |
In der Praxis entscheiden meist zwei Zeilen. Steht kein Bördelgerät bereit oder wechseln die Rohrgrößen häufig, spricht das für den Schneidring, weil er ohne Umformung auskommt. Ist die Anlage bereits auf JIC ausgelegt oder schwingt die Leitung stark, spricht das für den Bördel. Die übrigen Kriterien liegen dicht beieinander und kippen die Entscheidung selten allein.
Typische Anwendungen
In den meisten stationären Industrieanlagen führt die Schneidringverschraubung; die Bördelverschraubung spielt ihre Stärke aus, wo Bördeltechnik vorhanden ist und die Leitung stark schwingt. Ordnen Sie Ihre Anlage einem der beiden Fälle zu. Braucht die Anwendung maximale Dauerfestigkeit ohne metallische Dichtstelle, lohnt der Blick auf die ORFS-Verschraubung als dritte Bauart der Verbindungstechnik.
Schneidringverschraubung nach DIN 2353 passt, wenn:
- stationäre Industriehydraulik, Maschinenbau und Anlagenbau nach DIN 2353 gefragt sind.
- ohne Bördeltechnik montiert wird: Das Rohr wird vor Ort abgelängt, entgratet und vormontiert.
- gemischte Rohrgrößen und Reparaturen anstehen, bei denen kein Umformwerkzeug bereitsteht.
- hohe Systemdrücke bis in den Bereich der schweren Reihe S gefordert sind.
Bördelverschraubung mit 37°-Bördel passt, wenn:
- die Anlage bereits auf 37°-Bördel beziehungsweise JIC ausgelegt ist.
- ein Bördelgerät oder eine Bördelmaschine im Haus vorhanden ist.
- Leitungen stark schwingen und das umgeformte Rohrende bevorzugt wird.
- bestehende JIC-Systeme ersetzt oder erweitert werden, ohne die Norm zu mischen.
Viele Anlagen fahren beide Systeme nebeneinander. Standardisieren Sie dann pro Leitung oder Baugruppe, nicht pro Werk: Eine Leitung durchgängig auf Schneidring oder durchgängig auf Bördel auszulegen, vermeidet Adapter, Fehlpaarungen und zusätzliche Leckstellen. Für Edelstahl und aggressive Medien sind beide Bauarten verfügbar; die Werkstoffwahl von Körper, Ring und Dichtung richtet sich nach Medium und Umgebung, nicht nach dem Dichtprinzip.
Rohrverschraubungen ab Lager
Schneidring-, Bördel- und ORFS-Verschraubungen führt PTS als Katalogprogramm, ab Lager und passend zu Rohr-Außendurchmesser, Baureihe und Anschlussgewinde. Bei der Paarung hilft die PTS-Technik: Sie legt die richtige Verbindung aus und liefert die Fittings dazu.
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