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Anzugsmomente für Schneidringverschraubungen: L- und S-Reihe
Für DIN-2353-Schneidringverschraubungen kursieren viele Anzugsmoment-Tabellen, und sie widersprechen sich scheinbar. Der Grund ist kein Fehler: Eine Verschraubung nach DIN 2353 hat zwei Kraftstellen mit zwei verschiedenen Montageverfahren. Der Einschraubzapfen wird drehmomentgesteuert angezogen, dafür gibt es geprüfte Nm-Tabellen je Baugröße und Dichtform. Die rohrseitige Überwurfmutter mit dem Schneidring wird dagegen umdrehungsgesteuert montiert, nicht nach Drehmoment. Trennen Sie die beiden Verfahren sauber, sonst landet der richtige Nm-Wert am falschen Gewinde.
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Warum die Werte je Hersteller verschieden sind
DIN 2353 und DIN EN ISO 8434-1 normen die Geometrie der Verschraubung, den 24-Grad-Konus, die Gewinde und den Schneidring, aber nicht das Anzugsmoment. Deshalb gibt jeder Hersteller eigene Werte an, und deshalb weichen die Tabellen voneinander ab. Ein Anzugsmoment hängt ab von Schmierung, Oberfläche und Beschichtung (gleitbeschichtete Muttern rund 30 Prozent niedriger), Werkstoff (Aluminium-Körper mindestens 30 Prozent niedriger), Dichtform und Verbindungstyp. Jeder Katalog kennzeichnet seine Nm-Werte ausdrücklich als nur ungefähr.
Wichtiger ist die Trennung der beiden Kraftstellen. Der Einschraubzapfen, also das Portgewinde, wird mit dem Drehmomentschlüssel angezogen; dafür stehen die Tabellen weiter unten. Die rohrseitige Überwurfmutter mit dem Schneidring wird nicht nach Moment, sondern nach Umdrehungen montiert. Die Baugrößen und Reihen selbst erklärt der Beitrag DIN 2353: Baureihen LL, L und S.
Anzugsmomente L-Reihe (Einschraubzapfen)
Die folgenden Werte gelten für den Einschraubzapfen der leichten Reihe, für Stahl phosphatiert und geölt. Form E ist die Weichdichtung mit Elastomer-Dichtring (ISO 1179-2 bzw. ISO 9974-2), Form B die metallische Dichtkante (ISO 1179-4 bzw. ISO 9974-3). Für Aluminium-Körper reduzieren Sie mindestens 30 Prozent.
| Rohr-AD (mm) | Zapfen BSP | Form E (BSP) | Form B (BSP) | Zapfen metrisch | Form E (metr.) | Form B (metr.) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 6 | G 1/8 | 20 | 25 | M10x1 | 20 | 25 |
| 8 | G 1/4 | 40 | 45 | M12x1,5 | 30 | 30 |
| 10 | G 1/4 | 40 | 45 | M14x1,5 | 50 | 50 |
| 12 | G 3/8 | 80 | 85 | M16x1,5 | 60 | 80 |
| 15 | G 1/2 | 100 | 160 | M18x1,5 | 80 | 90 |
| 18 | G 1/2 | 100 | 105 | M22x1,5 | 140 | 150 |
| 22 | G 3/4 | 200 | 230 | M26x1,5 | 200 | 240 |
| 28 | G 1 | 380 | 390 | M33x2 | 380 | 380 |
| 35 | G 1 1/4 | 500 | 600 | M42x2 | 500 | 600 |
| 42 | G 1 1/2 | 600 | 800 | M48x2 | 600 | 800 |
Anzugsmomente S-Reihe (Einschraubzapfen)
Die schwere Reihe trägt bei gleicher Rohr-Nennweite größere Gewinde und höhere Momente. Für die großen Baugrößen mit 800 Nm am Zapfen G 1 1/2 arbeiten Sie mit einem entsprechend langen Drehmomentschlüssel; bei sehr hohen Momenten kommt ein hydraulischer Drehmomentschlüssel infrage.
| Rohr-AD (mm) | Zapfen BSP | Form E (BSP) | Form B (BSP) | Zapfen metrisch | Form E (metr.) | Form B (metr.) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 6 | G 1/4 | 60 | 60 | M12x1,5 | 45 | 45 |
| 8 | G 1/4 | 60 | 60 | M14x1,5 | 60 | 60 |
| 10 | G 3/8 | 90 | 110 | M16x1,5 | 80 | 95 |
| 12 | G 3/8 | 90 | 110 | M18x1,5 | 100 | 120 |
| 14 | G 1/2 | 130 | 170 | M20x1,5 | 140 | 170 |
| 16 | G 1/2 | 130 | 140 | M22x1,5 | 150 | 190 |
| 20 | G 3/4 | 200 | 320 | M27x2 | 200 | 320 |
| 25 | G 1 | 380 | 390 | M33x2 | 380 | 450 |
| 30 | G 1 1/4 | 500 | 600 | M42x2 | 500 | 600 |
| 38 | G 1 1/2 | 600 | 800 | M48x2 | 600 | 800 |
Drehmoment oder Umdrehungen?
Der Schneidring selbst wird nicht nach Nm angezogen. DIN 2353 schreibt für ihn eine umdrehungsgesteuerte Montage nach DIN 3859 vor: Sie zählen die Umdrehungen der Überwurfmutter, weil der Ring einen definierten Weg ins Rohr schneiden muss, und dieser Weg ist über die Umdrehung reproduzierbar, nicht über die Kraft. Parker gibt für den metallischen Schneidring bewusst keine bauteilbezogenen Nm-Werte an, sondern nennt Montage-Drehmomente nur auf Anfrage. Wie viele Umdrehungen je Phase nötig sind, steht Schritt für Schritt im Beitrag Schneidringverschraubung montieren.
Warum finden Sie trotzdem Nm-Tabellen für die Rohrseite? Weil zwei andere Verbindungssysteme mit dem gleichen 24-Grad-Konus arbeiten, aber anders dichten und deshalb eigene Anzugsmomente veröffentlichen. Der metallische Profilring (zum Beispiel Walterscheid) und die 24-Grad-DKO-Weichdichtung mit O-Ring (zum Beispiel STAUFF) sind eigene Verbindungstypen, kein Marken-Widerspruch zum Schneidring. Wer die Werte des einen Systems auf das andere überträgt oder gar mittelt, montiert falsch.
| Reihe | Rohr-AD (mm) | Profilring, metallisch (Nm) | 24-Grad-DKO, Weichdichtung (Nm) |
|---|---|---|---|
| L | 6 | 25 | 20 |
| L | 8 | 40 | 30 |
| L | 10 | 50 | 40 |
| L | 12 | 70 | 50 |
| L | 15 | 90 | 65 |
| L | 18 | 115 | 110 |
| L | 22 | 210 | 120 |
| L | 28 | 310 | 160 |
| L | 35 | 500 | 275 |
| L | 42 | 600 | 410 |
| S | 6 | 35 | 30 |
| S | 8 | 55 | 40 |
| S | 10 | 70 | 50 |
| S | 12 | 85 | 70 |
| S | 14 | 110 | 78 |
| S | 16 | 120 | 85 |
| S | 20 | 200 | 160 |
| S | 25 | 340 | 200 |
| S | 30 | 480 | 270 |
| S | 38 | 850 | 400 |
Checkliste kontrolliertes Anziehen
- Verbindungstyp klären: metallischer Schneidring, Profilring oder 24-Grad-DKO-Weichdichtung, und die Dichtform des Zapfens (Form A, B oder E). Danach richtet sich das Verfahren.
- Einschraubzapfen drehmomentgesteuert anziehen: den Wert nach Reihe, Gewinde und Dichtform aus der Tabelle wählen und den Drehmomentschlüssel darauf einstellen.
- Gewinde sauber und leicht geölt halten. Die Tabellenwerte gelten für phosphatiert und geölt; gleitbeschichtete Muttern rund 30 Prozent niedriger, Aluminium-Körper mindestens 30 Prozent.
- Rohrseitige Überwurfmutter (Schneidring) nicht nach Nm, sondern nach Umdrehungen montieren, in Vor- und Fertigmontage getrennt.
- Nach dem ersten Druckzyklus den Sitz kontrollieren und bei Bedarf bis zum erneuten Kraftanstieg nachsetzen.
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