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Anzugsmomente für Schneidringverschraubungen: L- und S-Reihe

Für DIN-2353-Schneidringverschraubungen kursieren viele Anzugsmoment-Tabellen, und sie widersprechen sich scheinbar. Der Grund ist kein Fehler: Eine Verschraubung nach DIN 2353 hat zwei Kraftstellen mit zwei verschiedenen Montageverfahren. Der Einschraubzapfen wird drehmomentgesteuert angezogen, dafür gibt es geprüfte Nm-Tabellen je Baugröße und Dichtform. Die rohrseitige Überwurfmutter mit dem Schneidring wird dagegen umdrehungsgesteuert montiert, nicht nach Drehmoment. Trennen Sie die beiden Verfahren sauber, sonst landet der richtige Nm-Wert am falschen Gewinde.

Aktualisiert 11. August 2026PTS Technik-Redaktion6 Min. Lesezeit

Teil des Praxishandbuchs

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Warum die Werte je Hersteller verschieden sind

DIN 2353 und DIN EN ISO 8434-1 normen die Geometrie der Verschraubung, den 24-Grad-Konus, die Gewinde und den Schneidring, aber nicht das Anzugsmoment. Deshalb gibt jeder Hersteller eigene Werte an, und deshalb weichen die Tabellen voneinander ab. Ein Anzugsmoment hängt ab von Schmierung, Oberfläche und Beschichtung (gleitbeschichtete Muttern rund 30 Prozent niedriger), Werkstoff (Aluminium-Körper mindestens 30 Prozent niedriger), Dichtform und Verbindungstyp. Jeder Katalog kennzeichnet seine Nm-Werte ausdrücklich als nur ungefähr.

Wichtiger ist die Trennung der beiden Kraftstellen. Der Einschraubzapfen, also das Portgewinde, wird mit dem Drehmomentschlüssel angezogen; dafür stehen die Tabellen weiter unten. Die rohrseitige Überwurfmutter mit dem Schneidring wird nicht nach Moment, sondern nach Umdrehungen montiert. Die Baugrößen und Reihen selbst erklärt der Beitrag DIN 2353: Baureihen LL, L und S.

Anzugsmomente L-Reihe (Einschraubzapfen)

Die folgenden Werte gelten für den Einschraubzapfen der leichten Reihe, für Stahl phosphatiert und geölt. Form E ist die Weichdichtung mit Elastomer-Dichtring (ISO 1179-2 bzw. ISO 9974-2), Form B die metallische Dichtkante (ISO 1179-4 bzw. ISO 9974-3). Für Aluminium-Körper reduzieren Sie mindestens 30 Prozent.

Anzugsmomente Einschraubzapfen, Reihe L, Stahl phosphatiert und geölt (Nm)
Rohr-AD (mm)Zapfen BSPForm E (BSP)Form B (BSP)Zapfen metrischForm E (metr.)Form B (metr.)
6G 1/82025M10x12025
8G 1/44045M12x1,53030
10G 1/44045M14x1,55050
12G 3/88085M16x1,56080
15G 1/2100160M18x1,58090
18G 1/2100105M22x1,5140150
22G 3/4200230M26x1,5200240
28G 1380390M33x2380380
35G 1 1/4500600M42x2500600
42G 1 1/2600800M48x2600800
Werte für Stahl phosphatiert und geölt, gleicher Werkstoff bei Zapfen und Mutter. Gleitbeschichtete Muttern rund 30 Prozent niedriger, Aluminium-Körper mindestens 30 Prozent. Alle Werte nur ungefähr. Metrische Werte bei Rohr-AD 28 nach Herstellerdaten HANSA-FLEX (Zapfen M33x2); einzelne Kataloge führen dort M36x2. Quelle: Herstellerdaten Schmitter Hydraulik (2022), abgeglichen mit Herstellerdaten HANSA-FLEX. Stand 2026-07.

Anzugsmomente S-Reihe (Einschraubzapfen)

Die schwere Reihe trägt bei gleicher Rohr-Nennweite größere Gewinde und höhere Momente. Für die großen Baugrößen mit 800 Nm am Zapfen G 1 1/2 arbeiten Sie mit einem entsprechend langen Drehmomentschlüssel; bei sehr hohen Momenten kommt ein hydraulischer Drehmomentschlüssel infrage.

Anzugsmomente Einschraubzapfen, Reihe S, Stahl phosphatiert und geölt (Nm)
Rohr-AD (mm)Zapfen BSPForm E (BSP)Form B (BSP)Zapfen metrischForm E (metr.)Form B (metr.)
6G 1/46060M12x1,54545
8G 1/46060M14x1,56060
10G 3/890110M16x1,58095
12G 3/890110M18x1,5100120
14G 1/2130170M20x1,5140170
16G 1/2130140M22x1,5150190
20G 3/4200320M27x2200320
25G 1380390M33x2380450
30G 1 1/4500600M42x2500600
38G 1 1/2600800M48x2600800
Werte für Stahl phosphatiert und geölt. Gleitbeschichtete Muttern rund 30 Prozent niedriger, Aluminium-Körper mindestens 30 Prozent. Alle Werte nur ungefähr. Metrische Werte bei Rohr-AD 25 nach Herstellerdaten HANSA-FLEX (Zapfen M33x2); einzelne Kataloge führen dort M36x2. Quelle: Herstellerdaten Schmitter Hydraulik (2022). Stand 2026-07.

Drehmoment oder Umdrehungen?

AufschiebenHandfestMontiert

Der Schneidring selbst wird nicht nach Nm angezogen. DIN 2353 schreibt für ihn eine umdrehungsgesteuerte Montage nach DIN 3859 vor: Sie zählen die Umdrehungen der Überwurfmutter, weil der Ring einen definierten Weg ins Rohr schneiden muss, und dieser Weg ist über die Umdrehung reproduzierbar, nicht über die Kraft. Parker gibt für den metallischen Schneidring bewusst keine bauteilbezogenen Nm-Werte an, sondern nennt Montage-Drehmomente nur auf Anfrage. Wie viele Umdrehungen je Phase nötig sind, steht Schritt für Schritt im Beitrag Schneidringverschraubung montieren.

Warum finden Sie trotzdem Nm-Tabellen für die Rohrseite? Weil zwei andere Verbindungssysteme mit dem gleichen 24-Grad-Konus arbeiten, aber anders dichten und deshalb eigene Anzugsmomente veröffentlichen. Der metallische Profilring (zum Beispiel Walterscheid) und die 24-Grad-DKO-Weichdichtung mit O-Ring (zum Beispiel STAUFF) sind eigene Verbindungstypen, kein Marken-Widerspruch zum Schneidring. Wer die Werte des einen Systems auf das andere überträgt oder gar mittelt, montiert falsch.

Fertigmontage-Anzugsmomente zweier anderer Systeme mit 24-Grad-Konus (Nm)
ReiheRohr-AD (mm)Profilring, metallisch (Nm)24-Grad-DKO, Weichdichtung (Nm)
L62520
L84030
L105040
L127050
L159065
L18115110
L22210120
L28310160
L35500275
L42600410
S63530
S85540
S107050
S128570
S1411078
S1612085
S20200160
S25340200
S30480270
S38850400
Diese Werte gehören NICHT zum metallischen DIN-2353-Schneidring, sondern zu zwei anderen Systemen: dem metallischen Profilring (winkel- bzw. umdrehungsgesteuert, Nm als Begleitwert) und der 24-Grad-DKO-Weichdichtung mit O-Ring (120-Grad-Winkelmontage). Sie erklären, warum verschiedene Kataloge verschiedene Nm nennen. Quelle Profilring: Herstellerdaten ATP Hydraulik / Walterscheid (2018-10). Quelle DKO: Herstellerdaten STAUFF (2025). Stand 2026-07.

Checkliste kontrolliertes Anziehen

  1. Verbindungstyp klären: metallischer Schneidring, Profilring oder 24-Grad-DKO-Weichdichtung, und die Dichtform des Zapfens (Form A, B oder E). Danach richtet sich das Verfahren.
  2. Einschraubzapfen drehmomentgesteuert anziehen: den Wert nach Reihe, Gewinde und Dichtform aus der Tabelle wählen und den Drehmomentschlüssel darauf einstellen.
  3. Gewinde sauber und leicht geölt halten. Die Tabellenwerte gelten für phosphatiert und geölt; gleitbeschichtete Muttern rund 30 Prozent niedriger, Aluminium-Körper mindestens 30 Prozent.
  4. Rohrseitige Überwurfmutter (Schneidring) nicht nach Nm, sondern nach Umdrehungen montieren, in Vor- und Fertigmontage getrennt.
  5. Nach dem ersten Druckzyklus den Sitz kontrollieren und bei Bedarf bis zum erneuten Kraftanstieg nachsetzen.

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Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist das Anzugsmoment einer Schneidringverschraubung?

Für den Schneidring selbst gibt es kein allgemeines Anzugsmoment, er wird umdrehungsgesteuert montiert. Drehmomentgesteuert ist der Einschraubzapfen: je nach Reihe, Gewinde und Dichtform zum Beispiel G 1/4 der L-Reihe mit 40 bis 45 Nm oder G 1/2 mit 100 bis 160 Nm. Maßgeblich ist immer die Anleitung des verbauten Fabrikats.

Warum unterscheiden sich die Anzugsmoment-Tabellen der Hersteller?

Weil DIN 2353 die Geometrie normt, nicht das Moment. Die Werte hängen von Schmierung, Beschichtung, Werkstoff, Dichtform und Verbindungstyp ab. Zusätzlich veröffentlichen unterschiedliche Systeme, der metallische Profilring und die 24-Grad-DKO-Weichdichtung, eigene Nm-Werte. Mitteln Sie nie zwei Tabellen, sondern nehmen Sie den Wert, der zum Fabrikat passt.

Wird ein Schneidring mit Drehmomentschlüssel oder nach Umdrehungen montiert?

Nach Umdrehungen. DIN 2353 schreibt eine umdrehungsgesteuerte Montage nach DIN 3859 vor. Der Drehmomentschlüssel gehört an den Einschraubzapfen, nicht an die rohrseitige Überwurfmutter. Die Umdrehungszahlen je Phase stehen im Beitrag zur Montage.

Gelten die Anzugsmomente auch für Aluminium-Körper?

Nein. Die Tabellenwerte gelten für Stahl, phosphatiert und geölt. Für Aluminium-Körper reduzieren Sie mindestens 30 Prozent, für gleitbeschichtete Muttern rund 30 Prozent. Alle Kataloge kennzeichnen ihre Nm-Werte ohnehin als nur ungefähr.