Zum Inhalt springen
Alle Beiträge

Wissen · Lineartechnik

Vorspannung bei Linearführungen: C0, C1, C2 und C3 richtig wählen

Die Vorspannung entscheidet, wie steif und wie spielfrei Ihre Linearachse läuft, und sie beeinflusst Reibung und Lebensdauer. Mehr davon bringt Steifigkeit, kostet aber Laufleistung, und jede Klasse über dem tatsächlichen Bedarf schlägt sich in Reibung und Verschleiß nieder statt in Präzision. Die Empfehlungen sind an Bosch Rexroth Katalogdaten und an echten PTS-Bestelldaten geprüft.

Aktualisiert 28. Juli 2026PTS Technik-Redaktion6 Min. Lesezeit

Teil des Praxishandbuchs

Auf dieser Seite

Was Vorspannung bei einer Linearführung bedeutet

Vorspannung bedeutet, dass zwischen Wagen und Schiene kein Spiel mehr vorhanden ist, sondern eine definierte innere Kraft wirkt. Erreicht wird das über Kugeln mit Übermaß: Rexroth setzt in den Wagen Kugeln ein, deren Durchmesser geringfügig größer ist als der freie Raum zwischen den Laufbahnen. Die Kugeln werden dadurch dauerhaft gegen beide Laufbahnen gedrückt. Das Ergebnis ist eine negative Lagerluft, also ein Zustand ganz ohne Spiel.

Der praktische Nutzen: Eine vorgespannte Führung reagiert sofort auf eine Lastumkehr, ohne den toten Weg, den ein spielbehaftetes Lager zuerst durchlaufen müsste. Gleichzeitig steigt die Steifigkeit, weil sich die vorgespannten Kugeln unter Last weniger verformen. Für Zerspanung, Messtechnik und jede reversierende Bewegung ist genau das die Voraussetzung für Präzision.

FprSpielVorspannung

Die Klassen C0, C1, C2 und C3 im Überblick

Rexroth staffelt die Vorspannung in vier Klassen von C0 bis C3. Die Klasse steckt als Kennbuchstabe im Typenschlüssel des Wagens (mehr dazu im Beitrag Rexroth Typenschlüssel). Grundregel: Je höher die Klasse, desto steifer die Führung, aber desto höher auch Verschiebekraft und Reibung.

Vorspannungsklassen C0 bis C3
KlasseVorspannungSteifigkeitTypische Anwendung
C0Ohne Vorspannung, geringes Spiel (1 bis 10 µm)GrundHandhabung, Schutzeinrichtungen, unkritische Verstellachsen
C1Geringe Vorspannung, spielfreiErhöhtAllgemeiner Maschinenbau, Standardachsen, breitester Einsatz
C2Mittlere VorspannungHochZerspanung, wechselnde Lasten, schwingungsgefährdete und einschienige Achsen
C3Hohe VorspannungSehr hochHochsteife Bearbeitung, hohe Momentenlast
Charakterisierung qualitativ nach Bosch Rexroth Katalog R999000485/2025-03. Prozentwerte anderer Hersteller lassen sich nicht auf Rexroth übertragen.

C0 läuft ohne Vorspannung mit einem geringen Spiel von 1 bis 10 µm zwischen Wagen und Schiene; bei zwei Schienen und mehreren Wagen gleicht sich dieses Spiel in der Regel über die Parallelitätstoleranzen aus. C0 ist die richtige Wahl, wenn Leichtgängigkeit wichtiger ist als Steifigkeit oder wenn die Anbaufläche nicht perfekt eben ist. Spielfrei wird die Führung ab C1, dem pragmatischen Standard: spürbar steifer als C0, aber noch tolerant gegenüber kleinen Montageungenauigkeiten. C2 und C3 gehören in steife, präzise Maschinen, deren Anschraubflächen die höhere Vorspannung auch aufnehmen können.

Steifigkeit, Verschiebekraft und Lebensdauer

Höhere Vorspannung ist kein kostenloser Gewinn. Mit der Steifigkeit steigen auch die Verschiebekraft und die Reibung, was Antrieb und Erwärmung belastet. Und die Vorspannung geht in die Lebensdauer ein: Rexroth nennt als Grenze, dass die Vorspannkraft ein Drittel der Lagerbelastung F nicht überschreiten sollte, sonst sinkt die Lebensdauer. Wer also ohne Not zu C3 greift, verschenkt Laufleistung. Wie sich die Vorspannung rechnerisch auswirkt, zeigt der Beitrag Lebensdauer berechnen.

Umgekehrt gilt: Treten Schwingungen auf, empfiehlt Rexroth ausdrücklich eine höhere Vorspannung von mindestens C2. Die Vorspannung dämpft dann das Aufschwingen der Achse. Wählen Sie die Vorspannung so hoch, wie die Steifigkeit es verlangt, und keine Klasse höher.

Vorspannung und Genauigkeitsklasse zusammen wählen

Vorspannung und Genauigkeitsklasse sind nicht frei kombinierbar. Die niedrigen Vorspannungen richten sich nach der Toleranz der Schiene: Auf Schienen der Klasse N bleibt es bei C0 oder C1, denn deren größere Toleranzen würden unter höherer Vorspannung Zwangsspannungen erzeugen. Umgekehrt setzt die hohe Vorspannung C3 eine der engen Klassen voraus, herstellerseitig SP, XP oder UP; im PTS-Onlinesortiment lässt sie sich derzeit mit SP und XP bestellen. Was die einzelnen Genauigkeitsklassen an Toleranz bedeuten, lesen Sie dort nach.

Bei PTS kombinierbare Klassen (R1605 BSHP)
VorspannungKombinierbare Genauigkeitsklassen
C0N, H
C1N, H, P, SP, XP, UP
C2N, H, P, SP, XP
C3SP, XP
Kombinationen aus dem PTS-Konfigurator (R1605 BSHP, Stand 2026-07). C1 hat die breiteste Kombinierbarkeit; im Werkzeugmaschinenbau ist C2 die übliche Standardwahl. Der Konfigurator prüft jede Kombination live.

Welche Vorspannung für welche Anwendung

C1 ist die meistgewählte Klasse und deckt den allgemeinen Maschinenbau ab. Sobald Steifigkeit und Schwingungsfreiheit im Vordergrund stehen, etwa bei Werkzeugmaschinen, ist C2 der übliche Standard. Nach oben und unten runden C0 und C3 die Skala ab.

  • C0 (ohne Vorspannung): Handling, Schutztüren, Verstellachsen, Anwendungen mit unebener Anbaufläche oder wenn Leichtgängigkeit zählt.
  • C1 (gering): allgemeiner Maschinenbau, Handachsen, Verpackung, die meisten Standardachsen. Robuste, meistgewählte Grundeinstellung.
  • C2 (mittel): Werkzeugmaschinen, Zerspanung, wechselnde und stoßartige Lasten, schwingungsgefährdete Aufbauten; auch für einschienige Systeme empfohlen.
  • C3 (hoch): hochsteife Bearbeitungszentren, große Momentenlast, nur mit hohen Genauigkeitsklassen.

Für die CNC-Fräse im Eigenbau ist C1 in den meisten Fällen die richtige Wahl. Sie läuft spielfrei, ist ausreichend steif für saubere Fräsbilder und verzeiht kleine Unebenheiten der selbst gebauten Anschraubflächen. C2 lohnt sich erst, wenn Sie Stahl zerspanen, Rattermarken bekämpfen und Ihr Maschinenbett wirklich steif und plan ist. C0 reicht für leichte Portale, die nur Holz oder Kunststoff schneiden. Zu hohe Vorspannung auf einem nicht perfekt ebenen Eigenbau erzeugt Zwangsspannungen, erhöht die Reibung und kostet Lebensdauer, ohne die Präzision zu verbessern.

Vorspannung im Konfigurator festlegen

Im Linear-Konfigurator wählen Sie die Vorspannung pro Wagen und sehen Preis und Verfügbarkeit sofort pro Systemzeile. Jede Kombination aus Vorspannung und Genauigkeitsklasse wird dabei live geprüft.

Preise und Bestände sehen Sie im Sortiment ohne Anmeldung.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Vorspannung bei einer Linearführung?

Vorspannung heißt, dass zwischen Wagen und Schiene kein Spiel mehr besteht. Kugeln mit leichtem Übermaß drücken dauerhaft gegen beide Laufbahnen und erzeugen eine negative Lagerluft. Die Führung läuft dadurch spielfrei und steifer und reagiert sofort auf Lastwechsel.

Welche Vorspannungsklasse brauche ich?

Für den allgemeinen Maschinenbau ist C1 die robuste Standardwahl und zugleich die meistbestellte Klasse. C0 nehmen Sie, wenn Leichtgängigkeit zählt oder die Anbaufläche nicht perfekt eben ist. C2 und C3 sind für steife, präzise Maschinen mit Zerspanung, Schwingungen oder hoher Momentenlast.

Verkürzt höhere Vorspannung die Lebensdauer?

Ja, wenn sie zu hoch gewählt ist. Rexroth nennt als Grenze, dass die Vorspannkraft ein Drittel der Lagerbelastung nicht überschreiten sollte. Bleibt sie darunter, ist die Lebensdauer definiert; darüber sinkt sie. Mehr Vorspannung als nötig kostet Laufleistung, Reibung und Antriebsenergie.

Was ist der Unterschied zwischen C0 und C1?

C0 läuft ohne Vorspannung mit geringem Spiel (1 bis 10 µm). C1 hat eine geringe, definierte Vorspannung, läuft dadurch spielfrei und ist steifer, ohne stark an Leichtgängigkeit zu verlieren. C1 ist die breiteste und meistgewählte Klasse; C0 die Wahl bei unkritischen oder besonders leichtgängigen Achsen.

Welche Vorspannung für eine CNC-Fräse?

Für die meisten CNC-Fräsen, gerade im Eigenbau, ist C1 die richtige Wahl: spielfrei, ausreichend steif, tolerant gegenüber kleinen Unebenheiten. C2 lohnt erst bei Stahlzerspanung mit Rattergefahr und wirklich steifem Maschinenbett. C0 genügt für leichte Portale, die nur Holz oder Kunststoff schneiden.