Zum Inhalt springen
Alle Beiträge

Wissen · Lineartechnik

Genauigkeitsklassen bei Linearführungen: N, H, P, XP, SP und UP im Vergleich

Die Genauigkeitsklasse legt fest, wie eng die Toleranzen einer Linearführung sind, von der Höhe des Wagens bis zur Parallelität über die ganze Schiene. Fünf Kriterien definieren die Toleranz, und die sechs Klassen von N über H, P, XP und SP bis UP staffeln sie nach den geprüften Werten des Bosch Rexroth Katalogs. Damit wählen Sie die Klasse, die Ihre Anwendung wirklich braucht, ohne für unnötige Präzision zu bezahlen.

Aktualisiert 7. Juli 2026PTS Technik-Redaktion6 Min. Lesezeit

Teil des Praxishandbuchs

Auf dieser Seite

Was eine Genauigkeitsklasse festlegt

Die Genauigkeitsklasse beschreibt, wie eng die Maßtoleranzen eines Wagen-Schiene-Systems gefertigt sind. Sie steckt als Kennbuchstabe im Typenschlüssel (siehe Rexroth Typenschlüssel). Rexroth fertigt Kugelschienenführungen so präzise, dass jeder Wagen auf jeder Schiene gleicher Größe und Klasse austauschbar ist. Es gibt sechs Klassen für den Wagen und fünf für die Schiene: die Wagen-Klasse XP läuft herstellerseitig auf einer Schiene der Klasse SP.

Höhere Genauigkeit heißt engere Toleranzen, aber auch höherer Preis und längere Lieferzeit. Die richtige Wahl ist deshalb die niedrigste Klasse, die Ihre Toleranzkette noch einhält, nicht die höchste verfügbare.

Die fünf Toleranzkriterien

Eine Genauigkeitsklasse fasst mehrere Einzeltoleranzen zusammen. Fünf Kriterien sind maßgeblich:

  • Höhentoleranz (ΔH abs): die zulässige Abweichung der Höhe H des Wagens über der Schiene, gemessen über die gesamte Schienenlänge und für jede Kombination von Wagen und Schiene.
  • Höhendifferenz (ΔH rel): der maximale Höhenunterschied zwischen mehreren Wagen an derselben Position der Schiene. Entscheidend, wenn zwei oder mehr Wagen parallel tragen.
  • Breitentoleranz (ΔA3 abs): die zulässige Abweichung des Seitenmaßes A3 von der Referenzkante, ebenfalls über die gesamte Schienenlänge.
  • Breitendifferenz (ΔA3 rel): der maximale Unterschied im Seitenmaß A3 zwischen mehreren Wagen an derselben Position.
  • Laufparallelität (P1): die Parallelität der Lauffläche des Wagens zur Referenzkante der Schiene über den Verfahrweg. P1 hängt von der Schienenlänge ab und wird von Rexroth als Kurve über die Länge angegeben.

Toleranzwerte nach Genauigkeitsklasse

Die folgende Tabelle nennt die geprüften Toleranzwerte für Kugelschienenführungen aus Stahl (BSHP). Die Werte gelten, wenn Wagen und Schiene in derselben Klasse bestellt sind. Höhendifferenz und Breitendifferenz teilen sich bei der Stahlführung einen Wert.

SollmaßNHPXPSPUP
Toleranzen der Genauigkeitsklassen, Kugelschienenführung BSHP aus Stahl (µm)
KlasseHöhentoleranz ΔH absBreitentoleranz ΔA3 absHöhen-/Breitendifferenz ΔH rel, ΔA3 rel
N±100±4030
H±40±2015
P±20±107
XP±11±87
SP±10±75
UP±5±53
Quelle: Bosch Rexroth Ball Rail Systems, Katalog R999000485/2025-03, Seite 36 (Stahl, Aluminium, Resist NR). Werte in µm, ΔH abs und ΔA3 abs als ±-Toleranz. XP bezeichnet einen Wagen der Klasse XP auf einer Schiene der Klasse SP. Die Laufparallelität P1 ist längenabhängig und hier nicht tabellierbar; sie wird in derselben Reihenfolge enger, von N bis UP.

Lesebeispiel: Ein Wagen der Klasse N darf in der Höhe um ±100 µm abweichen, ein Wagen der Klasse UP nur um ±5 µm, also das Zwanzigfache enger. Von Klasse zu Klasse wird jedes Kriterium enger. Die Klasse N ist damit nicht ungenau, sondern die Standardklasse für den allgemeinen Maschinenbau; die hohen Klassen sind für Mess- und Bearbeitungsaufgaben reserviert, bei denen wenige Mikrometer zählen.

Von N bis UP: welche Klasse wofür

  • N (Normal): allgemeiner Maschinenbau, Handling, Verpackung, Standardachsen. Die meistgewählte Klasse.
  • H (Hoch): erhöhte Anforderungen, Standardwerkzeugmaschinen, Achsen mit mehreren Wagen.
  • P (Präzision): präzise Bearbeitung, gute Positionswiederholung, anspruchsvoller Maschinenbau.
  • XP: Wagen-Sonderklasse auf SP-Schiene für sehr hohe Verfahrgenauigkeit bei geringster Pulsation, etwa Präzisionsscanner und Erodiertechnik.
  • SP (Superpräzision): hochpräzise Zerspanung, Schleifmaschinen, Messaufgaben.
  • UP (Ultrapräzision): Messmaschinen und Anwendungen mit den höchsten Genauigkeitsanforderungen.

Genauigkeitsklasse und Vorspannung kombinieren

Genauigkeitsklasse und Vorspannung hängen zusammen. Zwei Regeln sind fest: Für Schienen der Klasse N empfiehlt Rexroth die Vorspannung C0 oder C1, weil die größeren Toleranzen bei hoher Vorspannung sonst Zwangsspannungen erzeugen würden. Und die hohe Vorspannung C3 ist nach Herstellerregel den hohen Genauigkeitsklassen SP, XP und UP vorbehalten; im PTS-Onlinesortiment ist C3 aktuell mit SP und XP verfügbar. Wie Sie die passende Vorspannung wählen, steht im Beitrag Vorspannung wählen.

Grundsätzlich gilt: Wagen und Schiene gehören in dieselbe Genauigkeitsklasse. Nur dann ist die resultierende Systemtoleranz eindeutig definiert, und die Werte aus der Tabelle oben gelten unverändert. Die einzige herstellerseitig vorgesehene Ausnahme ist die Wagen-Klasse XP, die konstruktiv für die SP-Schiene ausgelegt ist.

Genauigkeitsklasse im Konfigurator wählen

Im Linear-Konfigurator bietet Ihnen die Auswahl nur gültige Klassenkombinationen an. Wagen und Schiene werden in derselben Klasse geführt, und unzulässige Paarungen mit der Vorspannung sind gar nicht erst wählbar.

Preise und Bestände sehen Sie im Sortiment ohne Anmeldung.

Häufig gestellte Fragen

Welche Genauigkeitsklassen gibt es bei Linearführungen?

Bosch Rexroth Kugelschienenführungen gibt es in sechs Klassen für den Wagen: N, H, P, XP, SP und UP, und in fünf Klassen für die Schiene: N, H, P, SP und UP. N ist die Standardklasse, UP die höchste. Von N bis UP werden alle Toleranzen enger.

Was bedeutet Genauigkeitsklasse N?

N ist die Normal- oder Standardklasse. Die Höhentoleranz beträgt ±100 µm, die Breitentoleranz ±40 µm. N deckt den allgemeinen Maschinenbau, Handling und Verpackung ab und ist bei PTS die meistbestellte Klasse. Für höhere Positionsgenauigkeit wählen Sie H, P oder höher.

Wann brauche ich SP oder UP?

SP und UP sind für hochpräzise Aufgaben: SP für hochgenaue Zerspanung, Schleif- und Messmaschinen, UP für Messmaschinen mit höchsten Anforderungen. Die Höhentoleranz sinkt auf ±10 µm (SP) und ±5 µm (UP). Für Standardmaschinen sind diese Klassen überdimensioniert und unnötig teuer.

Dürfen Wagen und Schiene unterschiedliche Genauigkeitsklassen haben?

Nein, als Regel gehören Wagen und Schiene in dieselbe Klasse, sonst ist die Systemtoleranz nicht mehr eindeutig. Die einzige vom Hersteller vorgesehene Ausnahme ist die Wagen-Klasse XP, die auf einer SP-Schiene läuft. Der PTS-Konfigurator bietet ohnehin nur gültige Kombinationen an.