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Wissen · Lineartechnik

Lebensdauer von Linearführungen berechnen: Formel, Beispiel, Einflussfaktoren

Die nominelle Lebensdauer einer Linearführung folgt einer einfachen Formel, aber zwei ihrer Größen werden regelmäßig falsch eingesetzt: die Tragzahl und der Bezugsweg, auf den sie sich bezieht. Wir rechnen ein vollständiges Beispiel mit echten Tragzahlen durch. Der wichtigere Teil kommt danach: die Trennung zwischen der berechneten Lebensdauer und der realen, denn über die reale entscheiden Verschmutzung, Schmierung und Montage.

Aktualisiert 11. August 2026PTS Technik-Redaktion6 Min. Lesezeit

Teil des Praxishandbuchs

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Die Formel für die nominelle Lebensdauer

Für Kugelschienenführungen gilt nach DIN ISO 14728-1: L10 = (C / P)³ x Bezugsweg. L10 ist die nominelle Lebensdauer, C die dynamische Tragzahl, P die äquivalente dynamische Belastung je Führungswagen. Der Exponent 3 gilt für Kugelführungen mit Punktkontakt; bei Rollenführungen mit Linienkontakt ist er 10/3, die Lebensdauer steigt dort mit der Last also noch stärker.

Entscheidend ist der Bezugsweg. Bosch Rexroth gibt die dynamische Tragzahl als C100 an, bezogen auf 100 km Verfahrweg. Setzen Sie C100 ein, kommt die Lebensdauer in 100-km-Einheiten heraus. Rechnen Sie mit einer auf 50 km bezogenen Tragzahl (viele Wettbewerber), müssen Sie auch 50 km als Bezugsweg einsetzen. Bezugsweg und Tragzahl gehören zusammen, sonst verschätzen Sie sich um den Faktor 2. Warum das so ist, erklärt der Beitrag Linearführung auslegen.

PL10BelastungLebensdauer
Die Größen der Lebensdauerformel
GrößeBedeutung
L10Nominelle Lebensdauer in km Verfahrweg, die mindestens 90 Prozent der Führungen erreichen
C bzw. C100Dynamische Tragzahl, bei Bosch Rexroth bezogen auf 100 km (DIN ISO 14728-1)
PÄquivalente dynamische Belastung je Führungswagen
ExponentKugel: 3 (Punktkontakt). Rolle: 10/3 (Linienkontakt)
C100 bezieht sich auf 100 km Verfahrweg.

Was L10 bedeutet

L10 ist kein Garantiewert, sondern ein statistischer Kennwert. Er sagt: Mindestens 90 Prozent einer großen Menge gleicher Führungen erreichen diese Wegstrecke, bevor die ersten Ermüdungsschäden am Wälzkontakt auftreten. 10 Prozent fallen früher aus, einzelne halten ein Vielfaches. Die 10 im Namen steht für diese 10 Prozent Ausfallwahrscheinlichkeit.

Für die Auslegung heißt das: L10 ist ein belastbarer Vergleichs- und Dimensionierungswert, aber kein Versprechen für den Einzelfall. Wer eine höhere Sicherheit braucht, legt auf eine längere L10 aus oder erhöht die Sicherheit über eine kleinere angesetzte Last.

Rechenbeispiel: Baugröße 25 FNS

Gegeben ist eine Führung der Baugröße 25 in Bauform FNS mit der dynamischen Tragzahl C100 = 28,6 kN (bezogen auf 100 km, DIN ISO 14728-1, Herstellerdaten). Die äquivalente dynamische Belastung je Wagen sei P = 5 kN. Die Rechnung läuft in drei Schritten.

Nominelle Lebensdauer L₁₀ nach DIN ISO 14728-1

L₁₀ = (C₁₀₀ / P)³ · 100 km

L₁₀
nominelle Lebensdauer in km Verfahrweg, die mindestens 90 Prozent der Führungen erreichen
C₁₀₀
dynamische Tragzahl in kN, bei Bosch Rexroth auf den Bezugsweg 100 km bezogen
P
äquivalente dynamische Belastung je Führungswagen in kN
³
Exponent für Kugelführungen mit Punktkontakt; bei Rollenführungen 10/3

Baugröße 25 FNS, P = 5 kN

  1. Verhältnis Tragzahl zu Last: C₁₀₀ / P = 28,6 kN / 5 kN = 5,72.
  2. Dritte Potenz: 5,72³ = 187,1.
  3. Mit dem Bezugsweg: L₁₀ = 187,1 · 100 km = 18.710 km.

Quelle: Herstellerdaten Bosch Rexroth nach DIN ISO 14728-1 (C₁₀₀ = 28,6 kN, Baugröße 25 FNS), Stand 2026-07.

Die nominelle Lebensdauer beträgt rund 18.700 km Verfahrweg. Bei einer mittleren Verfahrgeschwindigkeit von 1 m/s entspricht das etwa 5.200 Betriebsstunden unter dieser Last. Halten Sie die Größen sauber getrennt: kN gegen kN kürzt sich weg, der Bezugsweg bringt die Einheit km.

Werkzeug

L10-Rechner: Lebensdauer direkt berechnen

Tragzahl und Last je Führungswagen eintragen, Bezugsweg und Wälzkörper wählen: Der Rechner wendet die Formel nach DIN ISO 14728-1 live an und rechnet auf Wunsch in Betriebsstunden um.

Bezug der Tragzahl
Wälzkörper

Tragen Sie Tragzahl und Last je Führungswagen ein. Der Bezug muss zur Tragzahl passen: Rexroth-Werte sind C100, auf 50 km bezogene Werte rechnen mit 50 km.

Nominelle Lebensdauer nach DIN ISO 14728-1. Die reale Standzeit hängt zusätzlich von Schmierung, Verschmutzung und Montage ab.

Tragzahlen im Konfigurator ansehen

Mit den Lastdaten im Blick konfigurieren

Der PTS-Konfigurator zeigt C100 und C0 direkt auf jeder Bauform-Kachel. So wählen Sie Baugröße und Bauform mit den Tragzahlen vor Augen und rechnen die Lebensdauer mit den echten Katalogwerten, statt sie aus PDF-Katalogen zusammenzusuchen.

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Was die reale Lebensdauer verkürzt

In der Praxis bestimmen andere Faktoren, ob die Führung die berechnete L10 erreicht oder weit darunter bleibt. Der Rechenwert gilt für ideale Bedingungen: saubere, gut geschmierte, korrekt ausgerichtete Führungen bei Raumtemperatur.

  • Verschmutzung: Partikel im Wälzkontakt wirken wie Schleifmittel und beschleunigen den Verschleiß. Abstreifer, Faltenbälge und saubere Anbauflächen verlängern die Standzeit spürbar.
  • Mangelschmierung: zu wenig oder falsches Fett führt zu Mischreibung und Grübchenbildung. Die Nachschmierintervalle bestimmen die reale Lebensdauer oft stärker als die Rechnung.
  • Ausrichtfehler: Parallelitäts- und Höhenfehler der Schienen erzeugen innere Zusatzlasten, die in der Formel nicht auftauchen und die Führung zusätzlich belasten.
  • Stoßlasten und Schwingungen: kurzzeitige Spitzen belasten C0 und die Kontaktstellen stärker als die mittlere Last P.
  • Zu hohe Vorspannung: Vorspannung über den Bedarf hinaus erhöht die innere Last und senkt die Lebensdauer. Wählen Sie sie nach Steifigkeitsbedarf, nicht nach Gefühl (siehe [Vorspannung bei Linearführungen](/wissen/vorspannung-linearfuehrung)).

Hersteller korrigieren die berechnete Lebensdauer über Faktoren für Härte, Temperatur, Stoß und Verschmutzung. Die genauen Zahlenwerte dieser Faktoren stehen im jeweiligen Herstellerkatalog und gelten nur für dessen Baureihe. Übernehmen Sie sie nicht aus Fremdquellen oder Näherungstabellen. Behandeln Sie die berechnete L10 als statistischen Bestwert und rechnen Sie in der Praxis mit einer Reserve nach unten, je nach Umgebung und Wartungsdisziplin.

Wann die Rechnung nicht trägt

Nicht jede Anwendung lässt sich sinnvoll über L10 auslegen. Bei sehr kurzen, oszillierenden Hüben bildet sich kein vollständiger Schmierfilm aus; hier drohen Stillstandsmarkierungen (False Brinelling) statt klassischem Ermüdungsverschleiß, und die Formel überschätzt die Standzeit. In korrosiven oder hochreinen Umgebungen bestimmt der Werkstoff, nicht die Tragzahl, die Standzeit. In diesen Fällen führt die reine Rechnung in die Irre, und die Auslegung gehört ins Engineering. PTS bewertet solche Fälle über die technische Anfrage.

Häufig gestellte Fragen

Wie berechnet man die Lebensdauer einer Linearführung?

Für Kugelschienenführungen gilt L10 = (C / P)³ x Bezugsweg. Sie teilen die dynamische Tragzahl C durch die Last P je Wagen, bilden die dritte Potenz und multiplizieren mit dem Bezugsweg. Bei Bosch Rexroth ist C100 auf 100 km bezogen, dieser Wert ist dann der Bezugsweg. Beispiel: (28,6 / 5)³ x 100 km ergibt rund 18.700 km.

Was ist die nominelle Lebensdauer L10?

L10 ist die Wegstrecke, die mindestens 90 Prozent einer Menge gleicher Führungen erreichen, bevor die ersten Ermüdungsschäden auftreten. Die 10 steht für 10 Prozent Ausfallwahrscheinlichkeit. Es ist ein statistischer Kennwert für Vergleich und Dimensionierung, kein Garantiewert für die einzelne Führung.

Was bedeutet die dynamische Tragzahl C100?

C100 ist die dynamische Tragzahl, bezogen auf 100 km Verfahrweg nach DIN ISO 14728-1, wie sie Bosch Rexroth angibt. Sie beschreibt die Last, unter der die Führung die nominelle Lebensdauer von 100 km erreicht. Auf 50 km bezogene C-Werte anderer Hersteller liegen um den Faktor 1,26 höher und müssen vor dem Vergleich umgerechnet werden.

Welche Faktoren verkürzen die Lebensdauer?

Verschmutzung, Mangelschmierung, Ausrichtfehler, Stoßlasten und eine zu hohe Vorspannung senken die reale Lebensdauer unter den berechneten Wert. Die Formel gilt für ideale Bedingungen; die genauen Korrekturfaktoren für Härte, Temperatur und Verschmutzung stehen im Herstellerkatalog. Bei kurzen Oszillationshüben oder Korrosion trägt die Rechnung gar nicht.