Wissen · Lineartechnik
Linearführungen schmieren: Fett, Intervalle und Nachschmierung in der Praxis
Die Schmierung entscheidet über die Lebensdauer einer Linearführung, nicht die Nennlast im Datenblatt. Ein trockener oder verschmutzter Wagen fällt aus, lange bevor die rechnerische Lebensdauer erreicht ist. Das richtige Fett, das passende Nachschmierintervall und die dazugehörigen Dichtungen begleiten den Wagen über sein ganzes Betriebsleben, nicht nur bis zur Inbetriebnahme.
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Warum Schmierung über die Lebensdauer entscheidet
Ohne trennenden Schmierfilm läuft in einer Profilschienenführung Stahl auf Stahl: Die gehärteten Kugeln oder Rollen schädigen die gehärtete Laufbahn, der Wagen wird laut und ungenau. Der Schmierfilm trennt die Wälzkörper von der Laufbahn, verdrängt Feuchtigkeit und schützt vor Korrosion.
Die zwei häufigsten Ausfallursachen sind hausgemacht: Trockenlauf durch fehlende oder zu späte Nachschmierung und Verschmutzung durch Späne, Staub oder Kühlmittel, die in den Wagen gelangen. Beides zerstört den Schmierfilm. Deshalb gehören Dichtungen und Abstreifer genauso zur Schmierstrategie wie das Fett selbst.
Fett oder Öl: die Basis
In den meisten Anwendungen wird mit Fett geschmiert. Fett bleibt im Wagen, dichtet zusätzlich gegen Schmutz ab und braucht keine Zuführung. Öl kommt zum Einsatz, wenn hohe Geschwindigkeiten, hohe Temperaturen oder eine ohnehin vorhandene Zentralschmierung dafür sprechen. Öl führt Wärme und Abrieb ab, muss aber kontinuierlich nachgeführt werden. Für die meisten Wartungsteams ist Fett die robustere Wahl.
Welches Fett gehört auf eine Linearführung?
Üblich sind Wälzlagerfette auf Lithiumseifenbasis in mittlerer Konsistenz. Entscheidend ist aber nicht die Marke, sondern die Herstellerfreigabe: Der Führungshersteller definiert, welche Fette mit seinen Dichtungen, Laufbahnen und Kunststoffteilen verträglich sind.
Bosch Rexroth nennt in seiner Wartungsanleitung zum Beispiel Schmierfette nach DIN 51825 K2K und schließt Fette mit Festschmierstoffanteil wie Graphit oder MoS2 ausdrücklich aus. Solche Zusätze setzen sich im Wälzkontakt ab und stören den Schmierfilm. Halten Sie sich an die Freigabeliste Ihrer Baureihe, statt ein beliebiges Universalfett zu verwenden.
Erstschmierung, Nachschmierung und Intervalle
Neue Wagen sind ab Werk geschmiert und konserviert; die Erstschmierung reicht bis zur Inbetriebnahme. Danach beginnt die Nachschmierung im Betrieb. Ein festes Intervall in Kilometern oder Stunden lässt sich nicht pauschal nennen: Es hängt von Last, Geschwindigkeit, Hub, Einbaulage und Umgebung ab. Kurzhübe, Verschmutzung, Vibration und hohe Temperaturen verkürzen das Intervall deutlich.
Den belastbaren Basiswert liefert der Herstellerkatalog beziehungsweise das Berechnungsprogramm des Herstellers. Rexroth verweist in der Montageanleitung für die Schmierintervalle ausdrücklich auf den Produktkatalog und macht die Verlängerung der Intervalle von den technischen Grenzwerten der Anwendung abhängig. Für einzelne Baureihen bietet der Hersteller zudem eine Langzeitschmierung, die über mehrere Jahre ohne Nachschmieren auskommt.
Anzeichen für Mangelschmierung
- Erhöhtes Laufgeräusch oder metallisches Schleifen beim Verfahren.
- Spürbar höherer Verfahrwiderstand oder Ruckeln.
- Trockene, blanke oder rostige Laufbahnen statt eines dünnen Fettfilms.
- Metallabrieb oder dunkle Paste an Dichtlippen und Abstreifern.
- Steigende Temperatur am Wagen im Dauerbetrieb.
So schmieren Sie einen Führungswagen nach
- Wagen und Schmiernippel reinigen, damit kein Schmutz eingepresst wird.
- Freigegebenes Fett und die passende Fettpresse bereitlegen.
- Wagen in eine Position fahren, in der der Schmiernippel zugänglich ist. Die Wagen haben Schmieranschlüsse an mehreren Flächen, an der Stirnseite und teils oben und seitlich, damit sich im Einbau der erreichbare Nippel nutzen lässt.
- Fett in kleinen Portionen einpressen und den Wagen dabei mehrfach über den vollen Hub verfahren, damit sich das Fett auf allen Laufbahnen verteilt.
- Bei Doppelwagen oder zwei Schmiereinheiten beide Nippel schmieren.
- Austretendes Altfett abwischen und das Intervall dokumentieren.
Schmierung ist ein Ersatzteilthema, kein Einmalthema. PTS führt die passenden Dichtungen, Abstreifer und Schmieradapter als Katalogartikel, nicht nur die Schiene. Wie stark Last und Hub die Lebensdauer und damit das Schmierintervall treiben, zeigt die Lebensdauerberechnung; die richtige Erstschmierung gehört schon zur Montage.
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